Künstler und Kolpinghaus Bewohner Jessie Kohn gibt Tipps für junge Künstler

Künstler Jessie Kohn gestaltet die neue Mercedes Benz Zentrale in Eugendorf

 Foto ©: Andreas Kolarik

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Ein treuer Bewohner des Kolpinghauses, der Künstler Jessie Kohn, machte bereits mit Werken, wie der Gestaltung des Plattencovers von Eric Clapton und Vernissagen in Salzburg von sich reden. Wir nahmen seinen jüngsten Coup, die Gestaltung der Mercedes Benz-Zentrale in Eugendorf, zum Anlass, um den Künstler zu fragen: Was braucht es um in der Kunstwelt erfolgreich zu sein und welche Tipps er jungen, kreativen Menschen in Salzburg auf den Weg geben kann.

Kolpinghaus: „Mit der Gestaltung der Mercedes-Zentrale in Eugendorf hast du dich nach verschiedenen Vernissagen in und um Salzburg erneut hier verewigt. Wie kam es zu diesem Auftrag?“

Jessie Kohn: „Die Kontakte wurden von der Kunsthilfe Salzburg hergestellt. Dabei handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein, der junge Künstler fördert und unterstützt. Die Kunsthilfe war am Beginn meiner Karriere eine große Unterstützung.

© Foto Andreas Kolarik

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Es folgten mehrere Meetings mit Leuten  aus Design-Teams und Management, die alle an der Planung beteiligt sind und ihre Vorstellungen zum Gesamtkonzept und zum Erscheinungsbild des Unternehmens einfließen lassen.“

Kolpinghaus: „Gab es etwas, was an diesem Auftrag besonders herausfordernd war?“

Der "knifflige" Stiegenaufgang - © Foto: Andreas Kolarik

Der “knifflige” Stiegenaufgang – © Foto: Andreas Kolarik

Jessie Kohn: „Das Herausfordernde war hier sicher die Gestaltung des Stiegenaufgangs. Hier galt es, ein ungewöhnliches Format zu gestalten. Mir standen Pläne der Räume zur Verfügung, die

natürlich vom Format und den Größenverhältnissen eingehalten werden mussten.

Herausfordernd war dann noch der eigene Perfektionismus. Ich versuche immer, der Perfektion möglichst nahe zu kommen. Bei einem weltbekannten Auftraggeber wie Mercedes Benz ist der Perfektionismus fast noch ein wenig ausgeprägter.“

“Mir war immer klar, dass ich im kreativen Bereich Fuß fassen würde”

Kolpinghaus: „Du bist als Künstler und Illustrator sehr erfolgreich. Warst du dir immer sicher, dass sich auf dem künstlerischen Gebiet der Erfolg einstellen würde, oder gab es einen Plan B? Welchen Beruf hättest du ergriffen, wenn du nicht Künstler geworden wärst?“

Jessie Kohn: „Mir war immer klar, dass ich im kreativen Bereich Fuß fassen würde. Wenn es nicht die Illustration und bildende Kunst gewesen wäre, dann wahrscheinlich Musik oder Tanz. Durch den Besuch des musischen Gymnasiums in Salzburg wurde Kreativität früh gefördert.

Einen riesigen Anteil hatten meine Eltern. Die haben immer gesagt, ´Du hast das Talent, mach weiter, du wirst dich durchsetzen.´ Somit kamen nie Zweifel auf. Natürlich darf man auch den finanziellen Aspekt nicht unterschätzen. Fast jeder Künstler verwendet die ersten ein zwei Jahre seines Schaffens auf für Netzwerken und verkauft seine Werke für Preise, von denen man erst einmal nicht leben kann.  Ohne die finanzielle Unterstützung meiner Eltern wäre es sehr viel schwieriger geworden. Dafür bin ich sehr dankbar.“

“Talent ist toll, aber ohne Hartnäckigkeit wird das Talent nicht endtdeckt werden.”

Jessie Kohns Interpretation der "Gründerväter" von Mercedes Benz -  © Foto: Andreas Kolarik

Jessie Kohns Interpretation der “Gründerväter” von Mercedes Benz – © Foto: Andreas Kolarik

Kolpinghaus: „Welche Tipps würdest du kreativen jungen Menschen geben, die künstlerisch erfolgreich werden wollen?“

Jessie Kohn:Kurz gesagt: VIELSEITIGKEIT und BEHARRLICHKEIT. Umso breiter man sich am Beginn aufstellt, desto eher stellt sich der Erfolg ein. Es gibt so viele Möglichkeiten, von bildender Kunst über Grafikdesign, Illustration. Das Webdesign bietet eine ganze neue kreative Welt. Das alles sind Möglichkeiten kreativ zu sein.

Ich habe immer gerne gezeichnet. Meine Eltern empfahlen mir ein Grafikstudium. Dann schlug ich vor allem den Weg in Richtung Illustration ein, die ja das Bindeglied zwischen bildender Kunst und Grafik ist. Vielseitigkeit ist ein Schlüssel zum Erfolg.

Der zweite Schlüssel:

BEHARRLICHKEIT. Es ist wichtig, proaktiv viele Leute anzuschreiben. Seien es Werbeagenturen, Plattenlabels, Musiker. Ich war richtig lästig, habe nach Absagen erneut geschrieben und dann wieder und wieder. Manche waren genervt, andere sagten: ´Hey, der meint es aber wirklich ernst!´

Talent ist toll, aber ohne Hartnäckigkeit wird das Talent nicht entdeckt werden. Heute sieht man in meinem Portfolio meine tollen Aufträge. Was man dort nicht sieht, ist die Unmenge an Absagen, die ich bis dahin bekommen habe. Nicht müde werden in der Eigenvermarktung ist sehr wichtig!“

Kolpinghaus: „Gab es Künstler, die du als Vorbilder bezeichnen würdest?“

Jessie Kohn: „Auf der Künstlerplattform www.behance.net, auf der ich selbst auch gelistet bin, stoße ich immer wieder über Künstler, die mich inspirieren. Denis Gonchar ist einer von ihnen, Vince Low ein anderer. Derzeit experimentiere ich mit Comic Art und lasse mich von zahlreichen tollen Künstlern auf dieser Plattform inspirieren.“

 “Die Sprayer dort sind so professionell, das ich mir immer wieder Sachen abschauen kann.” 

Kolpinghaus: „Gibt es Adressen in Salzburg, die du jungen Künstlern empfehlen würdest, um Kontakte zu knüpfen?“

Jessie Kohn: „Da wäre einerseits einmal die Kunsthilfe, die auch für mich eine große Hilfe war. Allerdings sind deren Kapazitäten begrenzt. Die Stadt Salzburg, das Kulturamt, andere Vereine und Institutionen schreiben immer wieder Aufträge und Kunstpreise aus. Beharrlichkeit ist hier wichtig. Wenn auf 10 Absagen eine Zusage kommt, ist das immerhin ein Erfolg.“

 

Kolpinghaus: „Kunst in Salzburg, was fällt dir da als erstes ein – was muss man gesehen haben?“

Graffiti in Salzburg - Künstler: Easyp

Graffiti in Salzburg – Künstler: Easyp

Jessie Kohn: „Ich bin in Salzburg viel mit dem Fahrrad unterwegs. Wenn ich an der 500 m langen legalen Graffiti-Wand in Itzling (beim Kraftwerk) vorbei komme, bleibe ich fast immer stehen, weil irgendein neues Werk mich fasziniert. Die Sprayer dort sind so professionell, das ich mir immer wieder Sachen abschauen kann. Das ist immer wieder eine Inspiration.

Musikalisch begeistern mich die Salzburger Philharmoniker und deren Chefdirigentin Elisabeth Fuchs. Hier ist man extrem progressiv. So verband man beim Jubiläumskonzert im letzten Jahr Klassik mit DJs, Tanz und Akrobatik. Nach so einem Abend fühle ich mich auch als bildender Künstler inspiriert.“

Jessie Kohn, vielen Dank für diese spannenden Einblicke in die Welt der Kunst. Wir sind uns sicher, junge Menschen mit künstlerischen Ambitionen fühlen sich inspiriert. Wir wünschen dir das Beste für deine kommenden Projekte und freuen uns schon auf zukünftige Werke aus deiner Feder.